Der Lebenslauf in Aufsatzform – Ein „Dinosaurier“ im Zeitalter der Online-Bewerbung?

Der Lebenslauf in Aufsatzform – Ein „Dinosaurier“ im Zeitalter der Online-Bewerbung?

In der vergangenen Woche betreuten wir einen jungen Kunden, der nach seiner bestandenen Fachhochschulreife den Berufseinstieg gerne mit einer Ausbildung zum Mittleren Dienst bei der Bundespolizei realisieren möchte.

Die behördliche Bewerbungs-Checkliste war sehr detailliert, direkt ins Auge fiel jedoch die Vorgabe, einen Lebenslauf in Aufsatzform einzureichen. Was nun?

Selbst einem erfahrenen Bewerbungsberater begegnet diese Form mittlerweile nur noch in Einzelfällen. In Zeiten von Bewerbungsportalen, Auswertungsalgorithmen, One-Click-Bewerbung und Multimedialität wirkt diese Form wie „aus der Zeit gefallen“.

Genauer betrachtet bietet der Lebenslauf in Aufsatzform aber eine Reihe von Chancen:

–        Er stellt die sicherlich individuellste Form dar.

–        Er bietet viele strukturelle Freiräume, die bei einem tabellarischen Lebenslauf undenkbar wären.

–        Er erlaubt Details und die Darstellung von Zusammenhängen, die in der tabellarischen Form nur schwer realisierbar wären.

Aber:

–        Er erfordert auch ein Höchstmaß an Disziplin: es geht nicht darum Seiten zu füllen, sondern konkret und prägnant die Passgenauigkeit der eigenen Person zur avisierten Stelle darzulegen.

Checkliste Bundespolizei

Wie erstellt man einen Lebenslauf in Aufsatzform?

Fangen wir mit der ersten Seite des Lebenslaufes an: Unsere Bewerbungsphilosophie betrachtet diese Seite als zentrales Element der Bewerbung: Hier sollte der Leser die wesentlichen Informationen bereits erhalten: Persönliche Daten, aussagekräftiges Foto und einen kurzen Überblick über Ausbildungsstand, Kernkompetenzen sowie die Motive der Bewerbung. Punkt.

Diese Seite kann nahezu unverändert als „Opener“ für den darauf folgenden Lebenslauf fungieren.

Wie ist der Lebenslauf in Aufsatzform zu gliedern?

Es empfiehlt sich auch beim Lebenslauf in Aufsatzform Untergliederungen, z.B. „Berufliche Tätigkeiten“, „Studium und Schulausbildung“ oder „Besondere Kenntnisse und Fähigkeiten“ vorzunehmen und unter den einzelnen Punkten dann einen beschreibenden Fließtext anzufügen. Dieser sollte ähnlich wie beim tabellarischen Lebenslauf einer Chronologie bzw. Logik folgen. Da jeweils die aktuellsten Erfahrungen für den Leser im Fokus stehen, empfiehlt es sich auch beim Lebenslauf in Aufsatzform mit der jeweils aktuellsten Erfahrung/Station zu beginnen und sich dann chronologisch nach hinten durchzuarbeiten.

Welchen Umfang dürfen die einzelnen Passagen haben?

Die Antwort hierauf kann leider nicht eindeutig ausfallen. Es ist stark unterschiedlich, welches inhaltliche Potenzial z.B. einzelne Berufserfahrungen haben oder welche Notwendigkeiten es gibt, Besonderheiten im eigenen Lebenslauf zu beschreiben. Aber genau darin ist die Stärke eines Lebenslaufs in Aufsatzform zu sehen: er bietet Freiräume.

Fest steht: Fahrlässig ist es sicherlich, lediglich in 3-Wort-Sätzen, die einzelnen Berufsstationen aneinander zu hängen. Damit sind sämtliche Chancen sicher vertan! Um heraus zu finden, was in den Text gehört, ist es ratsam den eigenen Lebenslauf intensiv zu reflektieren, positive Besonderheiten zu identifizieren, persönliche Stärken zu benennen und Gründe für Schwächen und Umwege zu analysieren. An dieser Stelle kann Beratung sehr sinnvoll sein, denn aus unserer Erfahrung fällt es allen Kunden grundsätzlich schwer, eine dafür hilfreiche „Außenperspektive“ einzunehmen.


Das Fazit von 2befirst:

Der Lebenslauf in Aufsatzform ist ein Dinosaurier unter den Bewerbungen – aber ein Dinosaurier mit Potenzial! Wer das Format unterschätzt wird sicher bestraft, wer aber nach intensiver persönliche Reflexion in der Lage ist, seinen Lebensweg in spannender Form mit einem „roten Kompetenzfaden“ nachzuzeichnen, der hält alle Trümpfe in seiner Hand!

Gerne helfen wir Ihnen mit unserem Beratungsangebot weiter!

2befirst-Bewerbungsteam